Oliver Hoogvliet/ November 30, 2020/ Scrum, Social Skills

Am 18. November 2020 feierte scrum.org das Release des neuen Scrum Guides. Wirklich Neues gibt es nicht, aber einiges wird nun klarer – sowohl für das Scrum Team als auch für die Organisation. In diesem Blog Post konzentriere ich mich auf die Neuerung für das Scrum Team und was Scrum für Führungskräfte bereit hält.

Das Scrum Team ist das zentrale Element des Guides. Die Organisation ist zwar nicht explizit definiert, spielt aber in Form von „Stakeholdern“ für das Scrum Team eine wichtige Rolle. Details kommen weiter unten.

Bleiben wir erstmal beim Scrum Team. Im Scrum Guide 2020 wird das „Development Team“ zu „Developers“ umbenannt ([1], S.5). Diese Umbenennung soll klar machen, dass die Developers keine Untereinheit des Scrum Teams sind.

Der Scrum Guide beschreibt die „Developers“ als Rolle mit denselben Verantwortlichkeiten („Accountabilities“). Neben den Developers gibt es noch je einen „Product Owner“ und einen „Scrum Master“ ([1], S.5).

Die (ausgeblendete) Organisation

Ich möchte auf ein Element hinweisen, das im Scrum Guide immer noch nicht betrachtet wird: die Organisation. Sie findet sich im Scrum Guide als „Stakeholder“ ([1], S.6 + S.9). Auf den Informationsbedarf und/oder Anforderungen dieser Gruppe geht der Scrum Guide nicht genauer ein.

Der Scrum Guide bedient indirekt den Informationsbedarf durch die Transparenz der Vorgänge im Team. Dazu gibt es die folgenden Scrum Artefakte (vgl. [1], S.10):

  • Product Goal (Neu!) und Product Backlog – das mittelfristige Produktziel und die dazu notwendigen Schritte
  • Sprint Goal und Sprint Backlog – das kurzfristige Ziel und die dafür geplanten Schritte
  • Definition of Done und Inkrement – das zuletzt umgesetzte Produkt

Veränderungen und Anpassungen liegen in der Verantwortung des Scrum Teams, das deshalb auch – neu im Scrum Guide 2020 – als „selbstverwaltet“ („self -managing“) bezeichnet wird ([1], S.5).

Der Scrum Guide geht weder auf disziplinarische noch auf fachliche Führungskräfte ein. Da aber nur das Scrum Team selbst Anpassungen an Prozessen und Methoden vornimmt und es keine formellen hierarchischen Strukturen oder Subteams gibt ([1], S.5), dürfen Führungskräfte de facto nicht selbst eingreifen. Dies bedeutet keine Entwertung von Führungskräften, es ändert nur die Art der Führung.

Developers

Menschen des Scrum-Teams, die an der nächsten verbesserten Produktversion („Inkrement“) arbeiten, werden Developers genannt. Für den Zeitraum eines Entwicklungszyklus (max. 4 Wochen, „Sprint“) arbeiten sie an einem kurzfristigen Ziel („Sprint Goal“), das sie in Form eines Arbeitsplans („Sprint Backlog“) umrissen haben. Diesen Plan können die Developer jederzeit ändern und neu mit dem Product Owner verhandeln.

Obwohl der Begriff „Developers“ stark auf den Ursprung von Scrum hinweist, ist den Erfinder*innen von Scrum der Nutzen auch für viele weitere Arbeitsbereiche bewusst. Dies erklärt, warum das Vokabular auf Begriffe aus Softwareentwicklung verzichtet, z.B. „Developers are the people in the Scrum Team that are committed to creating any aspect of a usable Increment each Sprint.“ ([1], S.5)

Product Owner

Der*die Product Owner ist dafür zuständig, den Wert des Produktes zu maximieren. Der Scrum Guide schreibt explizit vor, dass die Entscheidungen vom Product Owner von allen Mitgliedern der Organisation akzeptiert werden müssen. Die*der Product Owner ist die Ansprechperson, die es zu überzeugen gilt, wenn es um Änderungen im Product Backlog geht.

Der Scrum Guide 2020 kürzt die „Sprint Cancellation“ auf eine einfache Aussage zusammen: der Sprint kann durch die*den Product Owner abgebrochen werden, wenn das Sprintziel („Sprint Goal“) obsolet wurde ([1], S.8).

Für den Fall, dass mehrere Scrum Teams an einem Produkt arbeiten, empfiehlt der Scrum Guide, dass diese Teams mit derselben*demselben Product Owner arbeiten und dasselbe Product Goal und Product Backlog teilen sollten ([1], S.5).

Scrum Master

Die*der Scrum Master übernimmt als Führungskraft („true leader“) die Verantwortung dafür, dass Scrum richtig in das Unternehmen integriert wird. Sie übernimmt außerdem die Verantwortung für die Effektivität des Scrum Teams. Die Führung geschieht in Form von Unterstützung, Coachings, Trainings und weiteren Führungstechniken.

Neu im Scrum Guide 2020 ist die explizite Verantwortung für die Effektivität („die richtigen Dinge tun“) des Scrum Teams ([1], S.6). Gemeint ist damit, dass das Scrum Team in die Lage versetzt wird, seine Methoden kontinuierlich zu verbessern. Damit soll verdeutlicht werden, dass die*der Scrum Master keine optionale Rolle, sondern eine essenzielle mit Verantwortlichkeiten und damit auch Befugnissen ist.

Zusammenfassung

Der neue Scrum Guide ist aufgeräumt und klarer. Die vereinfachten Texte lesen sich flüssiger und sind sehr viel verständlicher.

Die wichtigsten Änderungen im Zusammenhang mit dem Scrum Team und der Organisation sind….

  • … die Einführung des Product Goal, das noch einmal mehr die Transparenz im Unternehmen erhöhen soll und
  • … die Definition von Scrum Master als „true leader“ mit einer eigenen Verantwortlichkeit im Scrum Team.

Die „Leadership“ bei Scrum Master macht deutlich, dass sich mit der Einführung von Scrum auch die Aufgaben der disziplinarischen Führungskräfte verändert. Denn auch wenn diese im Scrum Guide nicht betrachtet werden, so sind sie dennoch relevant und eine wertvolle Stütze für das Scrum Team.

Quelle

  1. Schwaber Ken, Sutherland Jeff. The Scrum Guide. The Definitive Guide to Scrum: the Rules of the Game. November 2020. scrumguides.org, PDF in der US-Fassung – zuletzt überprüft am 30.11.2020

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