Oliver Hoogvliet/ August 16, 2021/ How to agile

Zombie oeconomicus? Das gibt’s nicht! – Stimmt! Wieso glaubt Ihr dann aber an den homo oeconomicus?

Sketchnote: Zombie Oeconomicus - "Gibt's ja gar nicht!" - Stimmt! - Wieso glaubt Ihr dann aber an den Homo Oeconomicus?

Der homo oeconomicus ist das Menschenbild, das die Wirtschaftslehre des 20. Jahrhunderts vom Menschen zeichnet: wir alle verfolgen demnach unser Eigeninteresse, wir arbeiten allein und auf uns bezogen, das rationale Kalkül wird über alles gestellt. Der homo oeconomicus ist zutiefst egozentrisch und egoistisch.

Tatsächlich wurde und wird dieses Modell des menschlichen Verhaltens dazu genutzt, unser Verhalten im Wirtschaftskontext vorherzusagen.

Das Problem ist, dass es die komplexe menschliche Natur nicht annähernd gut genug beschreibt. In einer Zeit, in der es an Spezialist*innen und Arbeitskräften mangelt, und in der Unternehmen flexibel auf ihre Märkte reagieren müssen, ist ein Festhalten an diesem einseitigen Menschenbild nicht nur kontraproduktiv, sondern kann im Extremfall das Ende eines Unternehmens bedeuten.

Was sind nun die Gegenmodelle zum homo oeconomicus? Ich möchte exemplarisch auf zwei Bücher hinweisen, die sich mit diesem Thema beschäftigen.

Kate Raworth spricht in ihrem Buch „Die Donut-Ökonomie“ (2018) vom homo heuristicus, homo reciprocans bis zu homo altruisticus und homo socialis. Die Namen zeigen durchaus unterschiedliche Richtungen. „Doch ist es nicht sinnvoll, uns auf eine dieser Identitäten zu verengen: Wir besitzen sie alle gleichzeitig“ (Raworth, S. 157)

Auch Rutger Bregman hat sich in seinem Buch „Im Grunde gut“ (2021) mit dem homo oeconomicus auseinandergesetzt: er stellt fest, dass „…die Wirtschaftswissenschaften von Anfang an auf einem Hobbes’sche Menschenbild [fußte]: dem des rationalen, egoistischen Individuums“ (Bregman 2021, S. 67). Er stellt diesem Bild das des Jean-Jacques Rousseau gegenüber, das besagt, „… dass der Mensch von Natur aus gut ist…“ (Bregman 2021, S. 66). In späteren Kapiteln beschreibt er unterschiedliche Modelle, die er als homo puppy (Bregman 2021, S. 69ff.) und homo ludens (Bregman 2021, S. 308) bezeichnet.

Am Bild des homo oeconomicus wird also ziemlich gerüttelt, die Argumente lassen vermuten, dass dieses Modell ein Auslaufmodell ist. Dennoch steht es wie ein Zombie immer wieder und wieder in den Neuauflagen unserer Wirtschaftsliteratur. Es wird Zeit, den Zombie oeconomicus endlich loszulassen.

Literatur

  1. Bregman, R. 2021. Im Grunde gut. Eine neue Geschichte der Menschheit. Hamburg, Rowohlt Taschenbuch Verlag, ISBN 978-3-499-00416-2
  2. Raworth, K. 2018. Die Donut-Ökonomie. Endlich ein Wirtschaftsmodell, das den Planeten nicht zerstört. München, Carl Hanser Verlag, ISBN 978-3-446-25845-7
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