Weißt Du, wie lange es dauert, bis sich eine neue Gewohnheit wirklich verankert hat? Mindestens 1 bis 3 Monate! Und wenn es darum geht, schlechte Gewohnheiten abzulegen, sogar mehrere Jahre!

Dieses Wissen ist gerade im agilen Kontext sehr wichtig, denn hier werden wir immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt. Da kann eine heute lieb gewonnene Gewohnheit morgen schnell mächtig im Weg stehen.

Agil werden ist nicht schwer…

Iteration mit Review und Retrospektive

Agile Arbeitsweisen werden da angewandt, wo eine Idee oder Lösung erst dann ihren Wert zeigt, wenn sie im Einsatz ist. Um das Risiko von falschen Entscheidungen zu minimieren, werden die einzelnen Arbeitsschritte stark verkürzt („Iterationen“ mit einer Dauer von ca. 2 Wochen) und deren Ergebnis und Erfolg in „Reviews“ regelmäßig überprüft. Fehlerhafte Entscheidungen sind normal und können schneller korrigiert werden.

Fehlerkultur: Fehler erkennen und miteinander besprechen, um daraus zu lernen.

Die agile Arbeit wird in Expert*innenteams durchgeführt, die ihre Arbeitsweisen immer wieder anpassen müssen. Zu diesem Zweck reflektiert das Team regelmäßig die eigene Arbeit („Retrospektiven“).

Wird ein Team neu zusammengestellt, müssen sich die beteiligten Mitglieder erst einmal auf eine gemeinsame Arbeitsweise einigen (siehe „Das 4-Phasen-Modell von Tuckman“).

Das 4-Phasen-Modell von Tuckman: Forming, Storming, Norming, Perfoming.

Besonders spannend sind Teams, deren Mitglieder aus unterschiedlichen Abteilungen kommen („crossfunktionale Teams“). Die verschiedenen Disziplinen bringen unterschiedliche Denkweisen und Ansichten, das Meinungsbild wird vielschichtiger und diverser.

Je nachdem, wie vertraut die einzelnen Kolleg*innen mit agilen Arbeitsweisen sind, kommen einige Veränderungen und damit viele neue Gewohnheiten ins Spiel.

Zum Abschluss dieses Abschnitts fasse ich die Ebenen zusammen, die bei der Einführung agiler Methoden relevant sind:

Neue Arbeitsweisen:
Iterationen, Reviews, Retrospektiven

Neue Verhaltensweisen:
Fehlerkultur, Reflexion

Crossfunktionalen Teams:
Zusammenarbeit, Diversität, Tuckman-Phasen

… agil gewohnt sein aber sehr

Wir Menschen sind nicht gut darin, viele Gewohnheiten zeitgleich zu ändern. Ich weise auf Vorsätze zum Neuen Jahr hin, die in den allermeisten Fällen gebrochen werden. Und was passiert anschließend: wir fallen zurück in unsere alten Gewohnheiten.

Wenn wir im Arbeitskontext neue (agile) Gewohnheiten aufbauen wollen, müssen wir ein paar Richtlinien beachten:

1. Geduld haben

Agilität lässt sich nicht verordnen. Im vorherigen Abschnitt habe ich umrissen, welche Veränderungen im Denken, in der Zusammenarbeit und neuen Gewohnheiten durch Agilität auf die Menschen zukommen. Je nach dem agilen Reifegrad der Organisation kann die Einführung mehrere Monate bis Jahre benötigen.

"Lass Dir Zeit!" - Geduld

Außerdem ist für Führungskräfte und erfahrene Agilist*innen Geduld auch deswegen wichtig, weil sie anderen Kolleg*innen Zeit geben müssen, ihre persönlichen Gewohnheiten anzupassen. Wir alle haben Zeit gebraucht, um zu lernen. Diese Zeit ist auch für andere wichtig, um Gewohnheiten in der Organisation zu ändern.

2. Kleine Gewohnheitsänderungen durchführen

Oft bringen schon kleinere Veränderungen spürbare Verbesserungen. Auf der Team- und Organisationsebene helfen kleine Experimente, Erfolgserlebnisse zu schaffen, die Teammitglieder dazu motivieren, weitere Gewohnheiten zu verändern. Schritt für Schritt!

"Wie ändere ich meine Gewohnheiten?"

3. Struktur zulassen

Da wir nicht alles auf einmal ändern können, macht es Sinn, mit Strukturen zu beginnen, die die Veränderung von Gewohnheiten begünstigen.

Je weniger Erfahrung Kolleg*innen mit agilen Arbeitsweisen haben, desto mehr empfiehlt sich die Einführung von Scrum.

Wenn einzelne Kolleg*innen mit agilen Methoden bereits vertraut sind, ist Scrum trotzdem hilfreich, denn es bildet eine solide und erprobte Basis für den Start mit Agilität. Dadurch unterstützen die erfahreneren Kolleg*innen ihr Team, ihre Unsicherheiten über das ‚was?‘ und ‚wie?‘ zu überwinden.

Quellen